Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung als inklusives Praxiskonzept

„Die bunte Vielfalt im KiB macht unsere Gemeinschaft reicher. Im KiB sind wir alle besonders und mit unserer individuellen Persönlichkeit willkommen“

Die KiB Kita Kindergruppen Ostlandstraße startet Prozessbegleitung

Die KiB Kita Kindergruppen Ostlandstraße hat mit einer eintägigen Einführungsveranstaltung am 3.2.20 zum Ansatz der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung den Grundstein dafür gelegt, dieses inklusive Praxiskonzept in einem dreijährigen, fachlich unterstützten Prozess in die eigene pädagogische Arbeit zu integrieren.

Begleitet wird der Prozess von Nadine Guerreiro Duarte, Leitung der KiB Kita Edewechter Landstraße, die bei der Fachstelle Kinderwelten Berlin bereits einen umfassenden Grundlagenkurs zur Multiplikatorin für den Ansatz der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung absolviert hat und aktuell an einem weiterführenden Aufbaukurs mit dem Schwerpunkt der inklusiven Praxisbegleitung und –entwicklung für den Ansatz teilnimmt.

Der Ansatz der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung basiert auf dem Situationsansatz und dem Anti-Bias-Approach (Ansatz gegen Einseitigkeit und Diskriminierung), der in den 80er Jahren von Louise Derman-Sparks und Kolleg*innen in Kalifornien für die Arbeit mit Kindern ab zwei Jahren entwickelt wurde.

Die Fachstelle Kinderwelten Berlin hat „den Ansatz Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung für die Verhältnisse in Deutschland adaptiert und entwickelt ihn systematisch als Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit weiter. Jedes Kind hat das Recht auf Bildung und jedes Kind hat das Recht auf Schutz vor Diskriminierung. Der Ansatz verfolgt den Anspruch der Inklusion, Respekt für Verschiedenheit zu verbinden mit dem Nicht-Akzeptieren von Ausgrenzung und Diskriminierung. Seine Prinzipien geben Orientierung für inklusive pädagogische Praxis“[1].

Neben der Wissensvermittlung stehen die Reflexions- und Praxisanteile für die pädagogischen Fachkräfte im Prozess klar im Vordergrund.

„Der Prozess verbindet dabei individuelles und organisationales Lernen in der Kita. Die Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Einseitigkeiten und deren Auswirkungen erfolgt auf einer persönlich-fachlichen Ebene und in der ganzen Organisation. Der Prozess erfordert Veränderungen auf der Ebene pädagogischen Handelns wie auch auf struktureller Ebene“[2], z.B. bei der Gestaltung der Räumlichkeiten und der Lernumgebung in der Kita sowie der Anschaffung und Nutzung von Spielmaterialien und Büchern.

Die Auseinandersetzung im Prozess bedeutet eine systematische Qualitätsentwicklung für die pädagogische Arbeit in der Kita.

„Aus der Erkenntnis heraus, dass Kinder bereits in sehr jungen Jahren die in ihrem Umfeld existierenden Bilder, Vorurteile und Diskriminierungen wahrnehmen und in ihr Selbstbild und ihr Bild von der Welt integrieren, ist der Ansatz der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung eine Einladung an pädagogische Fachkräfte, Einseitigkeiten und Mechanismen von Ausgrenzung zu erkennen und aktiv dagegen einzuschreiten“[3].

Die pädagogischen Fachkräfte werden für den bewussten Umgang mit Vorurteilen, Diskriminierung und Stereotypen sensibilisiert und entwickeln Handlungsstrategien, um (eigenen) Vorurteilen zu begegnen.

Wichtig vor Prozessbeginn war es Nadine Guerreiro Duarte und dem Team, auch die Eltern der Kita über den Ansatz zu informieren und Fragen zu klären. Die Gestaltung des Prozesses wird den Eltern über Aushanginformationen, den Elternrat und auch auf Elternabenden im Verlauf immer wieder transparent gemacht.

Zwei Mitarbeiter*innen der KiB Kita Kindergruppen Ostlandstraße haben den Ansatz bereits während ihrer Ausbildung an der Fachschule Sozialpädagogik in Oldenburg kennen gelernt.

Die Fachschule Sozialpädagogik (BBS 3) in Oldenburg integriert regelmäßig Fortbildungstage zum Ansatz in der Ausbildung von Erzieher*innen

Die Möglichkeit, den Ansatz der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung von Anfang an als Handlungskonzept in die eigene pädagogische Grundhaltung zu integrieren, haben Erzieher*innen in Ausbildung an der BBS 3 in Oldenburg.

Auf die Initiative von Elke Efing, Fachlehrerin für Sozialpädagogik, wird bereits seit 2017 im Rahmen der Kooperation mit dem KiB e.V. ein Projekt zum Ansatz der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung im Unterricht umgesetzt.

Seitdem gestaltet Nadine Guerreiro Duarte als Referentin für den Ansatz jährlich regelmäßig Fortbildungstage an der Fachschule Sozialpädagogik der BBS 3 in Oldenburg für angehende Erzieher*innen.

Den Schüler*innen wird ganz praxisnah ermöglicht, einen ersten Einblick in den Ansatz zu bekommen, ihn als Handlungskonzept in die eigene pädagogische Grundhaltung zu integrieren und das eigene professionelle Handeln von Anfang an danach auszurichten.

Weiterführende Informationen zum Ansatz Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung bekommen Sie hier

 

 

 

[1] Zitat von der Homepage Fachstelle Kinderwelten

[2] Zitat von der Homepage Fachstelle Kinderwelten

[3] Zitat aus dem Ausschreibungstext des Grundlagenkurses Multiplikator*in Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung, Fachstelle Kinderwelten