Neue Chancen oder Abschied auf Raten? - Neues zur Entwicklung der kooperativen Ganztagschulen

Seit 2012 arbeiten in Oldenburg Grundschulen und freie Träger der Jugendhilfe auf der Basis eines kommunalen Rahmenkonzeptes zur kooperativen Ganztagsbildung zusammen. Kinder erhalten ein interessantes und vielfältiges Ganztagsangebot mit alltagsintegrierten Bildungsangeboten, Zeit zum Spielen und der Möglichkeit in AGs ihren Interessen zu folgen und Neues zu erproben. Eltern erleichtert die kooperative Ganztags-Grundschule die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Schulen können die Bildungschancen für alle Kinder und ihre Attraktivität für die Familien verbessern. Die Stadt Oldenburg fördert die kooperative Ganztagsbildung, deckt die Bedarfe der Familien und verbessert die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern und Familien.

Schulleitungen, Lehrer*innenkollegien, Leitungskräfte der Träger, Inklusionshelfer*innen und pädagogische Mitarbeiter*innen der Träger arbeiten eng zusammen und das Oldenburger Konzept wird landesweit als Erfolgsmodell gelobt.

Zwischenzeitlich wurde die Kooperation erschwert, da die Landeschulbehörde bei Einbindung der Mitarbeiter*innen der freien Träger in den Alltag der Schulen eine Verletzung des Arbeitnehmer-Überlassungsgesetztes (AÜG) befürchtete und daher die Zusammenarbeit mit strengen, sehr begrenzenden Regeln belegt hatte. Es durften z.B. keine gemeinsamen Dienstbesprechungen und Fortbildungen stattfinden und der fachliche Austausch über die Arbeit mit den Kindern war nicht zulässig. Diese Form der Zusammenarbeit (bzw. des Nicht Zusammenarbeiten-Dürfens) entsprach weder unserer noch der schulischen Vorstellung einer gelingenden Ganztagsschule.

Durch Klarstellungen im Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz explizit für den Arbeitsbereich Schule und eine eindeutige Veröffentlichung des Kultusministeriums im Schulverwaltungsblatt im Mai 2017, ist die Kooperation zwischen Schulen und freien Trägern nun wieder im vollem Umfang möglich und landespolitisch erwünscht. Darüber freuen wir uns sehr!

Der von der Stadt aufgrund des Kooperationsverbotes angestoßene Prozess der zunehmenden Trennung von Schule und Jugendhilfe könnte damit nach unserer Auffassung nun abgebrochen oder mit allen Beteiligten neu überdacht werden.

Das Amt für Schule und Bildung teilte den freien Trägern jedoch kurz nach der Veröffentlichung des Schulverwaltungsblattes mit, dass es weiterhin einen Überarbeitungsbedarf des Rahmenkonzeptes gebe.

Dass eine verantwortungsvolle kommunale Haushaltspolitik manchmal Sparmaßnahmen und Veränderungen für schon bestehende Angebote bedeuten kann ist für uns nachvollziehbar und vernünftig. Die kooperierenden freien Träger  haben daher der Verwaltung einen Vorschlag gemacht, der den Schulen, den Mitarbeiter*innen der Träger und den Eltern Sicherheit  geben und den Zeitdruck aus der Überarbeitung nehmen würde.

Nach einem Gespräch im Amt für Schule und Bildung am 22. Mai 2017 haben wir allerdings den Eindruck gewonnen, dass von Seiten der Stadt weiterhin große Eile besteht und das gemeinsam erarbeitete kommunale Konzept zur kooperativen Ganztagsbildung an Grundschulen in Oldenburg primär durch die Schulen weiterentwickelt werden soll.

In der gemeinsamen Erarbeitung des bestehenden Rahmenkonzeptes war es Konsens, die pädagogische Qualität der Jugendhilfe und die Qualitätsstandards des KindertagesstättenGesetzes (KitaG) auch in den Ganztagsschulen zu erhalten. Dank des KiTaG gibt es einen deutlich besseren Personalschlüssel von 1:10 in den Angeboten 2 und 3, sowie in den Ferien. Für das Freispiel und pädagogische Angebote außerhalb von Klassenräumen stehen zusätzliche Räume zur Verfügung. Leider zeichnet sich aus unserer Sicht ab, dass genau beim Personalschlüssel, der Ferienbetreuung und dem Umfang der zusätzlichen Räume die Sparmaßnahmen ansetzen sollen.

Zurzeit spricht die kommunale Verwaltung mit unterschiedlichen Gruppen über verschiedene Teilgebiete eines vom Amt für Schule und Bildung vorgelegten Eckpunkte-Papiers. Eine Beteiligung der Jugendhilfeträger bei der Überarbeitung des Rahmenkonzeptes soll nach unserem derzeitigen Kenntnisstand nur bei ausgewählten Punkten stattfinden und entspricht so nicht dem üblichen Weg der Partizipation in der Stadt Oldenburg. Die unterschiedlichen Informationsstände bei Schulleitungen, Politiker*innen, Eltern und Vertreter*innen der freien Träger und sekundären Kooperationspartner erschweren unseres Erachtens die Diskussion und das Finden von Lösungen im Konsens.

Warum sich nicht alle Beteiligten gemeinsam an einen Tisch setzen und neue tragfähige Konzepte entwickeln verstehen wir nicht.

Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, gemeinsam mit den Schulen ein tragfähiges und qualitatives Rahmenkonzept für Ganztagsschulen in der Stadt Oldenburg zu erarbeiten, in die wir auch unsere eigenen Kinder gerne schicken würden. Wir sind bereit, für gute Qualität und den Erhalt von Arbeitsplätzen zu kämpfen.

Auszug Schulverwaltungsblatt Mai 2017

Nächste Sitzung des Schulausschusses: 08.08.2017 um 17:00 Uhr im Vortragssaal des PFL